Was hat der sogenannte Morbi-RSA mit dem Gesundheitsfonds zu tun?

Zeitgleich mit dem Gesundheitsfonds tritt der so genannte morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) in Kraft.

  • RSA
    Den Risikostrukturausgleich gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits seit 1994. Aktuell verteilt er über 15 Milliarden Euro um. Das Ziel: Finanzieller Ausgleich zwischen Kassen mit einer guten und Kassen mit einer schlechteren Risikostruktur ihrer Versicherten. Berechnet wird dies derzeit anhand der Kriterien Einkommen der Mitglieder, Anzahl der Mitversicherten, Alter und Geschlecht. Seit 2001 fördert der RSA zudem Kassen, die ihren Versicherten strukturierte Behandlungsprogramme (Disease Management Programme, DMP) für ausgewählte chronische Krankheiten anbieten.

  • Morbi-RSA
    Der bisherige Risikostrukturausgleich wird ab Januar 2009 um morbiditätsorientierte Kriterien erweitert. Unter Morbidität versteht man die Wahrscheinlichkeit, wie häufig eine Erkrankung innerhalb einer Bevölkerungsgruppe vorkommt. Aufgrund dieser Merkmale sollen die Versicherten anhand von Krankheitsdiagnosen und Arzneimittelverordnungen bestimmten Risikogruppen zugeordnet werden. Entsprechend ihrer Versichertenstruktur erhalten die Kassen „risikoadjustierte" Zu- und Abschläge aus dem Fonds. Konkret bedeutet das: Durch den Morbi-RSA erhalten Kassen, die viele Versicherte mit schlechtem Gesundheitszustand haben mehr Geld als diejenigen mit einer gesünderen Mitgliederstruktur.

Die neuen Kriterien des Morbi-RSA orientieren sich an 80 Krankheiten, hinter denen sich etwa 3.000 Einzelerkrankungen verbergen. Neben seltenen Krankheiten mit hohem Versorgungsaufwand zählen dazu vor allem aber auch weit verbreitete Volkskrankheiten wie z. B. Herzinsuffizienz oder Dekubitus (Wundliegegeschwür).

Das Problem:
Kassen bekommen auf diese Weise Zuschüsse zu Behandlungskosten, die durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen hätten verhindert oder gemildert werden können. Aus Patientensicht stellt sich die Frage, ob Kassen, die für Krankheiten Geldprämien bekommen, überhaupt noch ein Interesse daran haben, dass diese Patienten schnell gesund werden? Rein wirtschaftlich betrachtet: Nein. Denn viele Beteiligte (z. B. Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen) wären daran interessiert, möglichst viele Krankheiten zu dokumentieren, da dies den Zufluss der Finanzmittel erhöht.