Kreuzallergien: Eine Allergie kommt selten allein

Simone Habighorst

Junge isst Nüsse

Warum viele Allergiker keine Nüsse oder Äpfel essen können

Pollenallergiker sind es gewohnt, dass im Frühjahr die Nase läuft und die Augen tränen. Doch auch im Rest des Jahres beginnt die Haut zu jucken, sobald sie in einen Apfel beißen oder Nüsse essen. Hier spricht man von einer klassischen Kreuzallergie. Was steckt dahinter?


Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, doch gehen Wissenschaftler des Robert-Koch-Institutes davon aus, dass knapp 5 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland unter einer Allergie leiden, die man als pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie oder auch Kreuzallergie bezeichnet. Betroffen davon sind Menschen, die eine primäre Allergie etwa gegen Pollen oder Latex haben. "Da manche Proteine in Früchten oder Gemüse den Pollen- bzw. Latexallergenen ähneln, kann es vorkommen, dass die Betroffenen in der Folge auch beim Verzehr der entsprechenden Nahrungsmittel allergisch reagieren", erläutert Professor Dr. Torsten Zuberbier, Leiter des Allergie-Centrums an der Berliner Charité.

Was haben Krustentiere mit einer Hausstauballergie zu tun?

Primäre Allergien und Kreuzallergien treten selten zum selben Zeitpunkt auf. Vielmehr kann sich eine Kreuzallergie auch dann noch entwickeln, wenn man schon länger unter "Heuschnupfen" leidet. Manchmal nehmen die Betroffenen ausschließlich die Kreuzallergie gegen Nahrungsmittel wahr, während die primäre Allergie keine oder nur geringe Symptome auslöst. Zu den Auslösern von Kreuzallergien gehören vor allem Baumpollen, die im Frühjahr in der Luft sind und Allergikern das Leben schwer machen.

So führen die Allergene in Birken-, Erlen- und Haselpollen oft zu Kreuzreaktionen mit Nüssen und Mandeln, Kernobst wie Äpfeln und Birnen, Steinobst wie Pfirsichen, Pflaumen und Kirschen sowie Gemüsesorten wie Karotten und Sellerie. Wer allergisch gegen die Pollen der Ambrosia-Pflanze ist, zeigt oft auch allergische Reaktionen auf Melonen, Bananen, Tomaten und Gurken, während Beifuß-Allergiker nicht selten Probleme mit Mangos, Weintrauben und Kräutern wie Petersilie und Koriander haben.

Eine Latexallergie dagegen ist häufig mit einer Kreuzallergie gegen Bananen, Avocados, Kiwis und Feigen verbunden. "Biologisch interessant ist der Zusammenhang zwischen der Hausstaubmilbenallergie und der Allergie gegen Krebs- und Weichtiere wie Garnelen, Krabben und Schnecken. Weil Hausstaubmilben ebenso wie Krebstiere zum Stamm der Gliederfüßer gehören und ebenso Eiweiße einer bestimmten Familie aufweisen, entwickeln manche Hausstauballergiker eine Kreuzallergie gegen Krabben, Krebse und Co", betont Professor Zuberbier.

Beschwerden treten nach dem Essen auf

Die Beschwerden, die durch eine Kreuzallergie ausgelöst werden, treten zumeist wenige Minuten bis zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf. Am häufigsten sind die Mundschleimhaut oder die Haut, manchmal auch die Atmung betroffen. Die allergische Reaktion äußert sich in einem Juckreiz an Lippen, Zunge, Gaumen, Ohren und Rachen. Die Schleimhaut kann zudem anschwellen oder es bilden sich Rötungen und kleine Bläschen. Auch die Haut kann anschwellen, jucken oder sich röten. Normalerweise lassen die Symptome schnell wieder nach. "Wenn Patienten allerdings zu schweren allergischen Reaktionen wie etwa Atemnot neigen, sollten sie stets Notfallmedikamente mit sich führen", rät Professor Zuberbier und empfiehlt ein Notfallset mit einem Adrenalinautoinjektor, einem Kortikosteroid und einem Antihistaminikum.

Kochen sorgt für eine bessere Verträglichkeit

Doch wie lassen sich Kreuzallergien vermeiden? Die einfachste und zuverlässigste Methode besteht darin, die entsprechenden Nahrungsmittel gar nicht erst zu essen. Bei manchen Betroffenen tritt die Kreuzallergie aber nur während der akuten Pollensaison auf, so dass sie im Herbst und Winter nicht auf den Genuss von Äpfeln, Nüssen etc. verzichten müssen. Viele Obst- und Gemüsesorten werden zudem verträglicher, wenn man sie kocht, da die allergieauslösenden Proteine beim Erhitzen zerstört werden. Probieren Sie also Apfelkompott statt roher Äpfel oder backen Sie einen Pflaumenkuchen, statt die frischen Früchte zu essen. Außerdem sollten Sie beachten, dass Stress, Alkoholkonsum oder Medikamenteneinnahme die allergischen Reaktionen verstärken können.

Alte Apfelsorten sind allergikergeeignet

Vor allem bei Äpfeln gibt es übrigens große Sortenunterschiede. Wissenschaftler der Hochschule Ostwestfalen-Lippe haben festgestellt, dass der Gehalt an Polyphenolen im Apfel eng mit der Verträglichkeit der Früchte in Verbindung steht. Diese gesundheitsfördernden Pflanzenstoffe, die vor allem in der Fruchtschale stecken, sind in den traditionellen alten Apfelsorten stärker enthalten und machen diese besser verträglich als moderne Züchtungen. "Daher lohnt es sich für Apfelallergiker, nach alten Sorten wie Alkmene, Berlepsch, Goldrenette, Gravensteiner oder Boskoop zu suchen", sagt Professor Zuberbier. Viele Obstbauern reagieren inzwischen bereits auf die Bedürfnisse von Allergikern und bauen gezielt wieder die alten Sorten an. 

Im Folgenden haben wir noch einmal die häufigsten Nahrungsmittelallergien und ihre Auslöserallergien aufgeführt:

Häufige Kreuzallergien
BaumpollenApfel, Pfirsich, Pflaume, Nektarine, Kiwi, Kirsche, Birne, Mandel, Haselnuss und andere Nüsse, Karotte, Sellerie, Kartoffel (roh), Soja, Litschi
AmbrosiaMelone, Banane, Tomate, Gurke
BeifußMöhre, Sellerie, Kümmel, Petersilie, Koriander, Anis, Fenchelsamen, Mango, Weintraube, Litschi, Sonnenblumenkerne
LatexBanane, Avocado, Kartoffel, Tomate, Kiwi, Ananas, Kastanie, Buchweizenmehl, Sellerie, Feige
HausstaubmilbeMuscheln, Garnelen, Krabben, Schnecken
Seltenere Kreuzallergien
Gräser- und GetreidepollenDinkel, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Weizen, Roggen (auch daraus gewonnene Mehle), Tomate, Hülsenfrüchte
EschenpollenAnanas, Meerrettich
GummibaumFeige
VogelallergeneEi, Geflügel, Innereien
TierhaareKuhmilch, Fleisch, Innereien

Über den Autor

Simone Habighorst - Als Zuständige für den Bereich Marketing und Kommunikation verfasse ich redaktionelle Artikel für unsere Website. 
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