Welche Krankheiten können Zecken auf Menschen übertragen?
Kaum klettern die Temperaturen auf acht Grad, erwachen sie aus ihrem Winterschlaf: Zecken. Die kleinen Blutsauger können uns stechen und gefährliche Krankheiten übertragen. Welche Infektionen das sind, lesen Sie in diesem Artikel.
Das Wichtigste in Kürze
FSME und Borreliose: Während FSME das Nervensystem angreift (Impfung möglich), schädigt Borreliose Haut und Gelenke (mit Antibiotika behandelbar).
Die Übertragungszeit ist unterschiedlich: FSME-Viren gelangen sofort ins Blut, während das Risiko einer Borreliose-Infektion meist erst nach 12 Stunden Saugzeit deutlich ansteigt.
Symptome erkennen: Achten Sie auf ringförmige Wanderröte sowie grippeähnliche Beschwerden (Fieber, Gliederschmerzen), die oft erst Wochen später auftreten.
Richtiges Handeln: Entfernen Sie die Zecke umgehend mit einer Pinzette oder Karte, beobachten Sie die Stelle wochenlang und suchen Sie bei Veränderungen einen Arzt auf.
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Bei einem Ausflug in die Natur streifen wir durch üppiges Gras, kommen an hohen Sträuchern vorbei und entdecken die Vielfalt unserer Wälder. Oder anders ausgedrückt: Wir ziehen durch die liebsten Aufenthaltsorte von Zecken. So kann es durchaus vorkommen, dass wir den Spinnentierchen unbemerkt ein neues Zuhause schenken. Auf unserem Körper gelandet, sucht sich die Zecke langsam und oft über Stunden eine weiche, gut durchblutete Hautstelle. Hat sie einen geeigneten Platz gefunden, sticht sie zu. So kann die Zecke drei bis sieben Tage unser Blut als Nahrungsquelle anzapfen – und damit Bakterien und Viren in unseren Körper transportieren, die Krankheiten auslösen können.
Welche Krankheiten können Zecken übertragen und wie sehen die Krankheitsverläufe aus?
So unterschiedlich die Krankheiten sind, so vielfältig sind auch ihre Auswirkungen auf unseren Körper. Die Ausgangssituation für eine potenzielle Infektion ist aber immer gleich: Die Zecke hat eine für sie optimale Stelle entdeckt – zum Beispiel in der Kniekehle oder am Bauch – und zugestochen. Der Übertragungszeitpunkt der Krankheiten variiert jedoch.
Wie verläuft eine Infektion mit dem FSME-Virus?
Im Gegensatz zu Borrelien befinden sich FSME-Viren direkt in den Speicheldrüsen der Zecke. Wir können uns daher unmittelbar nach dem Stich infizieren, da der Erreger ohne Zeitverzögerung in unsere Blutbahn gelangt. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome, beträgt im Durchschnitt ein bis zwei Wochen. Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, ist FSME nicht mit Antibiotika heilbar; die Medizin kann lediglich die Symptome lindern (supportive Therapie).
Bei einem Teil der Infizierten verläuft FSME typischerweise in zwei Phasen:
- 1. Phase (grippeähnliches Stadium): Zunächst entwickeln sich unspezifische Symptome wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Da diese stark einer Sommergrippe ähneln, bleibt die Infektion in diesem Stadium oft unentdeckt. Bei den meisten Betroffenen heilt die Krankheit nach dieser Phase folgenlos aus.
- 2. Phase (ZNS-Beteiligung): Nach einem symptomfreien Intervall von etwa einer Woche entwickelt ein Teil der Erkrankten eine Beteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS). Bei den Fällen mit neurologischer Beteiligung kommt es in etwa der Hälfte der Fälle vor allem zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), bei rund 40 Prozent zusätzlich zu einer Entzündung des Gehirns (Meningoenzephalitis) und in etwa 10 Prozent der Fälle ist außerdem das Rückenmark betroffen (Meningoenzephalomyelitis). Besonders bei Menschen über 60 Jahren steigt das Risiko für schwere Verläufe signifikant an, während die Erkrankung bei Kindern oft milder verläuft. Mögliche Langzeitfolgen sind Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen sowie anhaltende neurologische Defizite.
Laut dem Robert Koch-Institut gab es im Jahr 2023 insgesamt 475 bekannte FSME-Fälle in Deutschland. Um sich vor einer schweren Erkrankung zu schützen, kann eine Impfung gegen FSME ratsam sein. Ob eine Zeckenimpfung empfehlenswert ist, hängt davon ab, ob wir in einem FSME-Risikogebiet wohnen oder dort Urlaub machen. Das Robert Koch-Institut weist folgende Risikogebiete aus:
Quelle: www.rki.de
Wann besteht das Risiko einer Erkrankung mit Borreliose?
Um eine Infektion mit Borrelien zu verhindern, zählt jede Stunde. Im Gegensatz zu FSME-Viren, die sofort beim Stich übertragen werden, befinden sich Borreliose-Bakterien im Darm der Zecke. Sie wandern erst in unseren Körper, wenn die Zecke länger saugt. Laut Robert Koch-Institut (RKI) steigt das Risiko einer Infektion nach einer Saugzeit von mehr als zwölf Stunden deutlich an. Nach etwa 24 Stunden ist das Infektionsrisiko deutlich erhöht und steigt mit der weiteren Saugdauer weiter an.
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Schätzungen zufolge infizieren sich jährlich 80.000 bis 120.000 Menschen in Deutschland, wobei das Infektionsrisiko regional stark schwankt. Da es keine Impfung gegen Borrelien gibt, ist es entscheidend, auf die Symptome zu achten. Diese treten oft zeitversetzt auf:
- Wanderröte (Erythema migrans): Diese ringförmige Hautrötung mit einem Durchmesser von meist mehr als 5 cm ist das deutlichste Warnsignal. Sie erscheint in der Regel 3 bis 30 Tage nach dem Stich. Für den Beginn einer Antibiotika-Therapie reicht eine klinische Diagnose der Wanderröte aus. Ein Bluttest auf Antikörper ist in diesem frühen Stadium oft noch negativ, da unser Immunsystem zwei bis sechs Wochen benötigt, um nachweisbare Abwehrstoffe zu bilden. Wichtig zu wissen: Die Wanderröte tritt bei etwa 10 bis 20 Prozent der Infizierten nicht auf, weshalb auch andere Symptome ernst genommen werden müssen.
- Grippeähnliche Beschwerden: Begleitend können Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten auftreten.
- Neuroborreliose: Unbehandelt können die Bakterien das Nervensystem angreifen. Typische Symptome sind brennende Schmerzen, die sich nachts verstärken, sowie Lähmungserscheinungen (z.B. eine Gesichtslähmung).
Wenn die Infektion im frühen Stadium übersehen wird, können Monate oder Jahre später chronische Beschwerden auftreten. Dazu gehören die Lyme-Arthritis (schmerzhafte Gelenkentzündungen, meist im Kniebereich) und die Acrodermatitis chronica atrophicans, eine Hauterkrankung, bei der die Haut an den Extremitäten papierdünn und bläulich wird.
Eine durchgemachte Borreliose-Infektion hinterlässt keine Immunität. Wir können uns nach jedem Zeckenstich erneut infizieren. Daher ist es empfehlenswert, bei jedem Verdacht frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Eine rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika verhindert in der Regel zuverlässig Folgeschäden.
Diese Erkrankung kommt vor allem im Tierreich vor, aber auch Menschen können sich mit dem Bakterium „Anaplasma phagocytophilum" infizieren, welches unsere weißen Blutkörperchen befällt. Die Krankheit wird dann als Humane Granulozytäre Anaplasmose (HGA) bezeichnet. Bei etwa 75 Prozent der Fälle verläuft die Infektion mit dem Erreger unbemerkt, es treten keine Beschwerden auf. Ist jedoch das Gegenteil der Fall, bricht die Krankheit im Körper aus. Die ersten Symptome nach einem Zeckenstich erscheinen nach wenigen Tagen, können aber auch erst nach vier Wochen in den Vordergrund treten.
Zu den typischen Symptomen gehören:
- Unwohlsein
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Muskelschmerzen
- Gelenkschmerzen
- Schwindel
Die Auswirkungen einer Anaplasmose zeigen sich in Blutbild-Veränderungen. Dabei kann es unter anderem zu einer Blutarmut (Anämie) kommen, indem zu wenig rote Blutkörperchen im Körper nachgewiesen werden. Auch Leber- und Entzündungswerte können auftreten. In seltenen Fällen ruft sie Gelenkentzündungen, Magen-Darm-Beschwerden oder Störungen des Zentralen Nervensystems hervor. Anaplasmose lässt sich mit Antibiotika behandeln.
Das Bakterium Candidatus Neoehrlichia mikurensis kann Neoehrlichiose auslösen. Es versteckt sich in den Zellen unseres Körpers und vermehrt sich dort so lange, bis die Zellen schließlich platzen. Das Resultat: Massen von Erregern werden freigesetzt. Das Bakterium ist erst seit kurzer Zeit bekannt, dementsprechend spärlich fallen auch die Informationen zur Erkrankung aus. Es kann folgende Beschwerden bewirken:
- Fieberschübe
- Gelenkschmerzen
- Muskelschmerzen
- Abgeschlagenheit
- Gefäßkomplikationen wie tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolie
Da der Keim bei herkömmlichen Labor-Tests nicht festgestellt werden kann, ist ein Nachweis nur mit einem bakterienspezifischen PCR-Test möglich.
Rickettsien sind kleine Stäbchenbakterien, die Zecken übertragen können. Sie befinden sich in Zellen des Speichels oder auch dem Kot der Spinnentiere. Zu den Symptomen der Rickettsiose zählen:
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Myalgien (Muskelschmerzen)
- Übelkeit und Erbrechen
- Husten
- Hautentzündungen
Das hohe Fieber, starke Kopfschmerzen und Exantheme können auch auf das sogenannte Rocky-Mountain-Fleckfieber hindeuten, das durch Rickettsiose entstehen kann.
Darüber hinaus gehört das Q-Fieber zu einer weiteren Erkrankung, die Zecken auslösen können. Dabei kann das Bakterium namens Coxiella burnetii grippeähnliche Symptome verursachen. Auch das Krim-Kongo-Fieber beziehungsweise das hämorrhagische Fieber zählt zu weiteren Infektionen, die in Deutschland jedoch nur selten auftreten. Die kleinen Verursacher der Krankheit sind Bunyaviren.
Die übertragbaren Krankheiten wie das FSME-Virus und Borreliose zeigen: Die kleinen Lebewesen haben es in sich, auch wenn sie unscheinbar wirken. Deshalb sollten wir mit einem Zeckenstich nicht leichtfertig umgehen, sondern direkt handeln und die Zecke so schnell es geht entfernen. Zum Beispiel mit einer Pinzette, noch besser eignet sich eine Zeckenzange oder -karte. Achten Sie auch nach der Entfernung in den kommenden Tagen und Wochen auf Veränderungen Ihres Gesundheitszustandes oder auch auf Hautirritationen. In jedem Fall ist der Hautarzt eine richtige und wichtige Anlaufstelle, um schweren Krankheitsverläufen entgegenzuwirken.
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